Das Mobilfunk-Labyrinth – Tarife, Optionen und ein großes Durcheinander

Du findest, dass die Mobilfunk-Welt ein viel zu großes Durcheinander ist, und man die ganzen Optionen, Tarife und das gesamte drumherum kaum noch verstehen kann? Nach diesem Artikel wirst Du absolut gar nichts mehr verstehen und doch mehr wissen!

Das Mobilfunk-Labyrinth ist das vermutlich umfassendste Märkte-Labyrinth, welches es aktuell gibt. Es gibt ein so umfassendes Sammelsurium von Tarifen und Optionen, sodass es selbst für Menschen aus der Mobilfunkbranche nicht einfach ist, hier immer den Durchblick zu behalten. Ich behaupte jetzt mal, dass ich mich recht gut in dem Bereich auskenne und mit den Tarifen und Optionen der meisten Anbieter mehr Anfangen kann, als der “Otto-Normal-Verbraucher”. Beruflich bedingt, aber auch aus eigenem Interesse heraus, ist das bei mir der Fall. Und auch, weil ich immer schon mehr über die ganzen Tarife, Optionen und Trittfallen der Anbieter aufklären wollte und einen solchen Artikel wie diesen geplant hatte.

Die meisten Seiten und Blogs informieren euch über Aktionen und tolle Tarife – die “kleinen Häufchen” werden teilweise auch genannt, aber was sich wirklich hinter den Optionen und Tarifen versteckt, und ob dieser wirklich optimal für jemanden ist, kann man daraus nicht erfahren. In Gesprächen mit vielen Leuten ist mir ein Punkt klar geworden – die meisten Leute wissen gar nicht, was sie wirklich in ihrem Handytarif für Leistung haben, und welche Kosten durchaus auf sie zukommen können.

Punkt eins – Datenautomatik

Die Datenautomatik ist bei vielen Anbietern mittlerweile aktiv und ein ziemlich kompliziertes Thema, da jeder Anbieter diese anders einsetzt. Unter /datenautomatik findet ihr eine Auflistung der Provider, die aktuell eine Datenautomatik haben, und wie sich diese verhält. Ebenso sind hier Kosten und zusätzliche Infos mit untergebracht.

Während es bei o2 zum Beispiel mehrere Staffeln bei der Datenautomatik gibt, gibt es bei vielen Anbietern von Drillisch nur die 100 MB Datenautomatik, welche sich dann hier auch nicht mehr deaktivieren oder kündigen lässt. Bei Vodafone wiederum kann man jede einzelne Nachbuchung des “SpeedGo” durch eine SMS unterbinden. Bevor man aktuell also einen Vertrag abschließt, sollte man sich vor allem über die Datenautomatik bei dem Provider informieren.

Beim Zusammenfassen der Informationen für datenautomatik.org bin sogar ich heftig ins Schleudern gekommen, da dies wirklich ein komplexes Thema ist und jeder einzelne Provider sich hier neue Spielchen einfallen lässt. Besonders dreist ist halt die Methode, die Datenautomatik als “festen Tarifebestandteil” laufen zu lassen. Hier freue ich mich schon über ein festes Gerichtsurteil, an welches sich dann alle Provider halten müssen.

Die Datenautomatik ist aber gar nicht so schlecht, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Telekom hat es aktuell ja noch so, dass man selber aktiv Datenvolumen nach buchen muss, wenn dieses aufgebraucht ist. Hier gibt es gerade die SpeedOn S 250 MB für 4,95 Euro, die SpeedOn M Option mit 500 MB Datenvolumen kostet 7,95 Euro und SpeedOn L mit 750 MB für 9,95 Euro. (via v-i-t-t-i.de) Wenn wir bei einigen Anbietern für 2 Euro dann 100 MB nach gebucht bekommen, ist das sicherlich ein fairer Preis im Vergleich zu den SpeedOn Optionen. Bei o2 gibt es z. B. im Tarif All in XL 3 mal 750 MB für je 5 Euro nach gebucht – schlechte Preise sind das also nicht.

Die von Vodafone gewählte Methode, dass man jedes nach buchen per SMS unterbinden kann, ist in meinen Augen vermutlich die beste Methode. Sicher verpennen einige die SMS und Ärgern sich dann, aber wenn man die SMS wenige Tage vor dem Daten-Reset bekommt und der Meinung ist, dass man für wenige Tage mit reduzierter Geschwindigkeit von nahezu null auskommen kann, dann sollten die Provider einem diese Option geben.

Punkt zwei – Tarife und Preise

Der Tarif ist der Ausgangspunkt für den Lauf bei einem Provider – von hier aus werden Datenvolumen kontrolliert und man kann hierzu noch Zusatzoptionen buchen und andere Dienste nutzen. Die drei großen Netzprovider in Deutschland – Vodafone, Telekom und o2 – sind eigentlich komplett verschieden und die Tarife unterscheiden sich wie eh und je. o2 ist am billigsten, Vodafone teurer und mit weniger Leistung und die Telekom toppt bei den Preisen eh alles und bringt zu wenig Leistung. Ach ja ist das so? Wollen wir uns doch heute mal die Tarife dieser drei “Premium-Provider” anschauen.

Betrachten wir einmal die Preise der Allnet-Flatrates ohne jegliche Rabatte. Natürlich kann man diverse Boni abstauben, wenn man die Rufnummer von einem anderen Anbieter mit nimmt, wenn man eine Behinderung hat, oder das ganze einfach Online abschließt – diese wollen wir aber nicht beachten, obwohl man hier fast immer auf das gleiche Endergebnis kommt. Die ganzen Discounter, Yourfone, mobilcom-debitel und wie diese nicht alle heißen, wollen wir uns jetzt mal gar nicht anschauen, da diese Liste zu großen Umfang annehmen würde. (Stand der Daten in den Tabellen: 04.04.2016)

Die Standard-Tarife sind gar nicht mehr so verschieden, wie es vielleicht vor 2-3 Jahren noch der Fall war. Wir haben immer einen Tarif für den Normal-Nutzer mit um die 1 GB Datenvolumen, dann einen für die Menschen, die etwas mehr mit dem Smartphone machen, und dann das, was wir in Deutschland als Hardcore-Nutzer bezeichnen würden mit 5 GB Volumen oder mehr. Drei einfach Kategorien, welche in 3-4 Tarife unterteilt sind.

Telekom Magenta Mobil S Magenta Mobil M Magenta Mobil L Magenta Mobil L Plus
1 GB 150 Mbit/s 3 GB 150 Mbit/s 6 GB 300 Mbit/s 10 GB 300 Mbit/s
29,95 € 39,95 € 49,95 € 79,95 €
Vodafone Red 1.5 Red 3 Red 8
1,5 GB 225 Mbit/s + 500MB 3 GB 225 Mbit/s + 1 GB 8 GB 225 Mbit/s
49,99 € 54,99 € 69,99 €
o2 All in M All in L All in XL All in Premium
1 GB 21,1 Mbit/s 3 GB 50 Mbit/s 5 GB 50 Mbit/s 10 GB 50 Mbit/s
29,99 € 39,99 € 49,99 € 79,99 €

Was fällt auf? Richtig – die Telekom bietet in allen Tarifen ein ziemlich gutes Verhältnis zwischen der Datengeschwindigkeit und dem Preis. Hinzu kommt, dass die Telekom vermehrt von Connect und Co. zum aktuell besten Netz gekührt wurde. Vielleicht doch eine Überlegung wert diese Telekom?

Bei den Angeboten der “Jungen Leute”, wozu in der Regel alle zwischen 18 und 25 Jahren zählen, teilweise Kinder ab 14 als Nutzer eingetragen werden können oder Studenten bis 30 Jahre zählen, ist o2 mit dem eigentlich einfachsten Prinzip unterwegs: 5 Euro monatlich weniger Zahlen und das doppelte Datenvolumen dazu bekommen.

Telekom Magenta Mobil S Friends Magenta Mobil M Friends Magenta Mobil L Friends
2 GB 150 Mbit/s 6 GB 150 Mbit/s 12 GB 300 Mbit/s
29,95 € 39,95 € 49,95 €
Vodafone Red 2 Junge-Leute Red 4 Junge-Leute
2 GB 225 Mbit/s + 2 GB 3 GB 225 Mbit/s + 4GB
49,99 € 54,99 €
o2 All in M JungeLeute All in L JungeLeute All in XL JungeLeute All in Premium JungeLeute
2 GB 21,1 Mbit/s 6 GB 50 Mbit/s 10 GB 50 Mbit/s 20 GB 50 Mbit/s
24,99 € 34,99 € 44,99 € 74,99 €

Punkte drei – Warum Tarifvergleiche absolut nichts bringen

Ihr kennt alle die Tarifvergleiche im Internet – ich nenne mal bewusst keine Namen – und jeder hat hier schon einmal geschaut, ob man nicht etwas Geld sparen kann. Wenn man aber wirklich Geld sparen möchte, dann sollte man sich mal einen Abend Zeit nehmen und selber die Seiten der Anbieter durchforsten. Sicherlich keine schöne Arbeit, aber sicherlich eine Möglichkeit, wie man noch mehr Geld sparen kann, als beim vermeintlich “günstigsten Angebot”.

Die Online-Vergleichsportale sind wie der Vertrieb darauf fixiert, den Tarif zu verkaufen, der am meisten Profit bringt. Und ich behaupte einfach mal, dass euch Online-Händler oder Mitarbeiter an der Hotline noch stärker Abzocken als die meisten Shop-Mitarbeiter. Der Shop-Mitarbeiter steht euch gegenüber und ihr könnt ihm üben de Thresen springen und für den verkauften Müll verantwortlich machen. Online oder an einer Hotline könnt ihr den Personen gar nichts, da diese abgeschottet im Büro sitzen – wer hat also weniger Gefahr Probleme zu bekommen?

In einem Selbstest habe ich einige Stromtarife verglichen und nach vielen Rechnungen und dem Vergleich zu einigen Tarifvergleichen festgestellt, dass der für mich wirklich am günstigsten (Bonus und Rabatte eingerechnet) in keinem Tarifvergleich aufgeführt ist. Da ich auch auf eine Liste von Provisionen aus dem Vertrieb für Energie Zugriff habe, konnte ich mir schnell raus suchen, was man für einen Tarifabschluss bekommt und taddaaa – es ist weniger als bei den Konkurrenz-Produkten. Zufall? Natürlich bewirbt man hier vornehmlich das Produkt, an welchem man mehr verdient als bei anderen.

Punkt vier – Tarife-Dschungel

Red, Blue All in, MagentaEins, real Allnet und wie die Tarife nicht alle heißen, hinzu kommen unzählige Optionen für diverse Dienste zum Filme schauen, Musik streamen, zocken, für Telefonie ins Ausland, Internet-Optionen wenn man selber im Ausland ist und und und. Hier einen vollen Überblick zu behalten ist nahezu unmöglich und auch für Branchen-Profis echt schwer.

Und wenn schon Profis sich hier schwer tun, wie sieht das ganze dann für Laien aus, die sich alle zwei Jahre umschauen, wenn man den Vertrag verändern kann? Nehmen wir hier als Beispiel einfach mal den Provider, mit den meisten Tarifen im Angebot – mobilcom-debitel. “MD” hat neben den eigenen Tarifen, welche auch schon ein gutes Angbeot darstellen, auch noch die Tarife von E-Plus, o2, Telekom und Vodafone im Angebot – und alle samt haben ja mindestens noch ein genauso umfangreiches Tarifportfolio wie MD selbst. So kann man natürlich die Kunden schön verwirren.

Punkt fünf – Falschaussagen von Hotlines

Die Hotlines sind meist nicht direkt von dem Provider, sondern externe Callcenter, die im Auftrag der Provider arbeiten. Man kann nicht erkennen ob man mit jemandem von der Hotline oder einem externen Callcenter redet – man sollte immer vorsichtig sein. Oft werden hier Rabatte genannt, wo keine Rabatte sind, oder Verträge werden abgeschlossen, wo man eigentlich nur Infomaterial zugeschickt haben wollte.

Ich selber habe es schon gehabt, dass ich angerufen wurde, und mir jemand ein zusätzliches Datenupgrade andrehen wollte – ich habe aktuell 6GB und komme damit wirklich immer aus! Laut ihm bin ich aber jeden Monat in der Drosselung, was aber nicht stimmte. 1GB mehr würde er mir für 19,99 Euro machen – jeden Monat versteht sich. Ansonsten würde das Upgrade bei 29,99 Euro liegen, was aber nicht stimmt. Ich bin ein gut informierter Mensch und habe gesagt dass ich es mir überlegen würde. Fupp 5 Minuten später kam die SMS dass das Upgrade gebucht sei. Eine Option die ich nicht wollte zu einem Preis der bei weitem nicht interessant ist!

Ein weiterer mir bekannter Fall, den ich schon zu Unmengen mitbekommen habe: Ein Provider kontaktiert die Kunden telefonisch und bietet eine Partnerkarte an. Für Lau gibt es eine Karte mit Frei-Minuten und SMS sowie ein bisschen Internet. Infomaterial dazu möchte man gerne haben. Allerdings wird hier gleich der Vertrag abgeschlossen und die SIM-Karte an den Kunden verschickt.
Und zu diesem Fall kommt noch etwas, was vermutlich auch nicht rechtens ist. SIM-Karten werden immer inaktiv verschickt und müssen durch den Kunden erst aktiviert werden. Sollte die Karte auf dem Postweg verloren gehen, könnte ja der Finder sonst was damit anstellen. Die oben genannten Partnerkarten hingegen aktivieren sich nach 20 Tagen als “Kundenservice” automatisch, um dem Kunden “eine Last abzunehmen“. Und besagte Karte kostet monatlich sogar eine Grundgebühr und ist nicht für Lau – wer hätte das gedacht?

Fazit

Man merkt also, dass der Mobilfunk-Markt ein ziemlich wirres und verwirrendes Konstrukt ist und man hier ganz leicht auf den Holzweg geführt werden kann. Das Angebot im Mobilfunk-Markt ist so umfangreich und komplex, wie es meiner Meinung nach in keinem anderen Markt der Fall ist. Als Kunde wird man hier schnell auf der Bahn geworfen und die Provider können dies gut ausnutzen um mehr Profit zu schlagen. Das ist kein Abzocken, sondern der übliche Gang des Vertriebes und wird so auch in anderen Bereichen, wo man mit Verträgen Geld verdient, gehandhabt. Im Mobilfunkmarkt ist es nur so stark abgezeichnet, da dieser immens groß ist und nahezu jeden Menschen betrifft.

lacer92

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